Im Kosmos der Gedankenwelten
Es hat alles seinen tieferen Sinn


Inhaltsangaben:

1. Im Strom der Zeit
2. Tränenleer
3. Nur was du gabst



1. Im Strom der Zeit

Nichts bleibt im Weltall wie es ist,
auch uns bemisst das Sein die Frist.
Du stehst hoch auf der "Lebensleiter”,
kein Schritt führt dich nach oben weiter.
Die letzte ”Sprosse” trägt dich sacht,
es dunkelt schon, gleich kommt die Nacht.
Hier schaust du auf die Welt zurück -
ein kurzer, letzter Abschiedsblick.

Da zieh’n vorbei nur in Sekunden
die vielen Jahre, Tage, Stunden
vom dir gelieh’nen Erdenleben.
Das hast du jetzt zurückzugeben.
Vom Licht der Welt sorgsam befreit,
entsteigt die Seele ihrer Zeit,
die letzte irdische Mission
hin in die höhere Dimension.

Würd' man im All Atome zählen,
trotz Wandel würde keines fehlen.
So sind auch wir im Tod geborgen,
denn aus dem Ende reift ein Morgen.
Der freie Geist sich still erhebt
ins unbekannte Sein und strebt,
dem Tropfen gleich im Strom der Zeit,
heimwärts zum Meer der Ewigkeit.

Wer glaubt hier weise wahrzusagen -
auf diese schwerste aller Fragen?
Wer ahnt im Jenseits das Geschehen?
Ich will es bildlich so verstehen:
Das Gleiche wird zum Gleichen streben,
der Schmutz in dunkle Tiefen schweben.
Das Reine, Gute sucht das Licht.
Zum Ursprung hin? Ich weiß es nicht!

.K. Zum Karfreitag



2. Tränenleer

Dies ist auch ein Gesicht des Krieges

Es lag in einem Lazarett
ein Kriegssoldat auf hartem Bett.
Mit Blut durchtränkt war der Verband,
der sich um seinen Kopf befand.
Die Augen blind in Tuch gebunden,
zerschunden war er, wund an Wunden
von Splittern, teuflischen Geschossen,
als hätt die Hölle sie vergossen.

Allein den Schmerz ertrug er schwer,
doch quälte ihn die Frage mehr:
"Kein Licht erreicht man Angesicht,
ist's Tag, ist's Nacht, ich weiß es nicht."
Da hob er betend an zu flehn:
"Lass mich die Sonne wieder sehn,
erhalte, Herr, mein Augenlicht,
verlier mich in dem Dunkeln nicht."

Die Finsternis, die ihn umgab,
bleischwer auf seiner Seele lag.
Doch irgendwo, tief in dem Innern,
schien noch ein schwacher Hoffnungsschimmer,
der wuchs in ihm, dann sah er klar,
die Bilder von daheim, ganz nah:
Sein sorglos junges frohes Leben,
von seinen Liebsten treu umgeben.

Sein Hoffen galt dem Augenblick,
der Heimkehr aus dem Krieg zurück,
zu Vater, Mutter, den Geschwistern,
er sah das Leuchten in Gesichtern,
die feuchten Augen, Glück und Lachen,
und Freunde, die ihm Freude machen.
Ach, wär es endlich bald so weit,
für ihn ein Hauch von Seligkeit.

Durch die Erinnerung erhellt
erschien ihm neu die weite Welt:
Die Größe unserer Natur,
Berge und Meere, Wald und Flur.
Die Schöpfung, einzigartig schön,
Tiere und Pflanzen, Flüsse, Seen,
den Kosmos, Sterne, Galaxien,
bis in die fernsten Sphären hin.

Und machtvoll wuchs in ihm das Sehnen
die Welt, die Schönheit wahrzunehmen.
Mit Augen, Herz und allen Sinnen,
all diese Wunder zu gewinnen.
Zu oft hat er sie nicht beachtet,
nur flüchtig oder kaum betrachtet.
Nun wuchs tief in ihm das Verlangen,
zu sehen, was ihm einst entgangen.

Am Morgen, früh, vom Licht entfacht,
strahlte der Herbst in voller Pracht.
Die Luft war rein, der Himmel klar,
er spürte, wie es draußen war.
Gleich wird die "Nacht" ihr Ende finden,
nimmt man ihm ab die schweren Binden,
dann kehrt ins Leben er zurück - 
sein hellster Tag, sein tiefstes Glück.

Sein größtes Glück? Ein Freudentag?
Ein grausam harter Schicksalsschlag!
Der Arzt, der eben von ihm kam,
die Schwester still beiseite nahm.
Doch jetzt versagte ihm die Stimme.
Sie sah zum Bett, da hielt sie inne.
Tränen verwischten ihr Gesicht.
Der Landser - weinen konnt' er nicht.

Die Welt blieb schwarz, für immer leer:
Er hatte keine Augen mehr.


Dieses Gedicht ist in Erinnerung an einen
mir bekannten Kriegsversehrten entstanden,
der nicht nur beide Augen, sondern auch
beide Arme verloren hatte.



3. Nur was du gabst
(Eine Allegorie in Reimen)

Nichts gab er, nicht die kleinste Spende.
Jetzt stand er vor dem Lebensende.
Sein ganzes Geld, das war sein Streben,
sollte man in die Gruft ihm legen,
vielleicht, so hat er festgestellt,
braucht man im Jenseits ja das Geld.

Die Söhne, wenn auch sehr verdrießlich,
holten die großen Scheine schließlich.
Sodann verschied der reiche Mann
und kam im Himmel fälschlich an,
trat ein, und das fand er perfekt:
Für Gäste war hier reich gedeckt.

Die große Tafel, schwer beladen,
bot alles für den leeren Magen.
Rasch wählte er für seinen Hunger
den leckersten und feinsten Hummer,
mit echten Trüffeln, Kaviar,
und Wein, der richtig feurig war.

Indes bemerkte er verwundert,
der Preis in Euro, keine hundert,
nein, alles, was ein Gourmet kennt,
kostete hier nur einen Cent.
Sehr billig, dachte er deswegen,
das kommt mir wahrlich sehr entgegen.

Da kam ein Engel mit der Frage:
"Hast du denn Geld für alle Tage?"
Und lächelnd gab der Mann sogleich
'nen Hunderter, er war ja reich.
Doch wies der Engel ihn zurück:
"Der Preis hier ist ein Cent pro Stück."

Der reiche Mann, gequält vom Hunger,
gab ihn zurück, den feinen Hummer.
Dann, nachts, die Söhne schliefen tief,
im Traum er sie um Hilfe rief:
"Ich brauch schnell einen Sack voll Cent',
nur diese Münzen man hier kennt."

Die Söhne gingen wie befohlen,
um einen Beutel Cents zu holen,
und stellten ihn sogleich bereit.
Sie ahnten schon die Dringlichkeit.
Endlich, dacht der, es ist soweit,
ich spür sie schon, die Seligkeit.

Ganz schnell und ohne zu verweilen
sah man ihn jetzt zur Kasse eilen,
denn Durst und Hunger können quälen.
Nur noch die Cents fürs Essen zählen
und schon winken des Himmels Wonnen -
wär' da der Engel nicht gekommen.

Der schaute streng und sagte schlicht:
"Dein Geld nützt dir hier oben nichts.
Ein Leben lang hast du gerafft,
doch leider auch umsonst geschafft.
Hier zahlt mit Cents man aus dem Leben,
die für die Not man hat gegeben."

"Nicht was du hast für dich behalten, nein,
nur was du gabst bleibt dir erhalten.
Nur was von Herzen du gespendet
wird hier als Guthaben verwendet.
Ein Egoist erhält stattdessen
von dieser Tafel nichts zu essen."

Dieses Gedicht habe ich nach ähnlichen 
Gedanken von Tolstoi gereimt aus:
 "Buch für alle Tage"